Celine Zink, die Leiterin der Sozialen Dienste beim DRK Kreisverband Freudenstadt sowie Leonie Nuding und Lisa Rapp vom Frauenhausteam haben die Einrichtung und ihre Aufgaben dort kürzlich im Gemeinderat vorgestellt. Oberbürgermeister Adrian Sonder bedankte sich vorab für die wertvolle Arbeit, die im Frauen- und Kinderschutzhaus tagtäglich geleistet wird. „Dieses Thema hat leider in unserer Gesellschaft eine ungebremste Aktualität und die dynamischen Entwicklungen in den vergangenen Jahren sind sehr traurig“, sagte Sonder. Die Arbeit des Frauenhauses und die politische Unterstützung einer solchen Einrichtung seien deshalb umso wichtiger.
Der Vortrag des Frauenhausteams orientierte sich an den Fragen „Was ist Gewalt“, „Welche aktuellen Entwicklungen und Diskurse gibt es dazu auf politischer Ebene“ und „Welchen Beitrag leisten wir als Frauenhaus zu diesem gesellschaftlichen Thema.“
Anhand praktischer Beispiele und Aussagen differenzierte Zink zwischen den unterschiedlichen Formen der Gewalt, die von der psychischen Gewalt über die physische Gewalt bis hin zur sexuellen, finanziellen und digitalen Gewalt reichen. Zink warnte in diesem Kontext vor der unbedachten Nutzung digitaler Anwendungen und Apps, ohne dabei Risiken wie die Möglichkeit der Kontrolle durch den gewaltbereiten Partner mitzudenken. „Gewalt ist vielfältig und oft auch nicht sichtbar“, bilanzierte Zink. Viele Formen der Gewalt tauchten in Beziehungen auch gleichzeitig auf und blieben vom sozialen Umfeld unbemerkt.
Das Frauenhaus biete nicht nur Schutz und Stabilisierung, sondern auch eine Perspektive für die von Gewalt betroffenen Frauen und Kinder. Laut einer Dunkelfeldstudie würden aber nur rund zehn Prozent der Fälle überhaupt angezeigt.
Ein Meilenstein im Gewaltschutz sei das im Jahr 2025 beschlossene Gewalthilfegesetz, das den Rechtsanspruch auf einen Frauenhausplatz sicherstelle. Ziel sei die Herstellung eines verlässlichen Hilfesystem bei häuslicher und geschlechterspezifischer Gewalt. Erstmalig gebe es damit einen Rechtsanspruch auf Beratung und Schutz. Konkret gehe damit auch ein Ausbau der Frauenhäuser, Schutzwohnungen und Beratungsstellen einher.
m Frauenhaus würden die Bewohnerinnen ermutigt und gestärkt, um künftig ein gewaltfreies und selbstbestimmtes Leben führen zu können. Dort werde die körperliche Sicherheit gewährleistet und gleichzeitig emotional und rechtlich unterstützt. Insgesamt verfüge das Frauenhaus über sechs Zimmer für sechs Frauen und bis zu zehn Kinder. Zudem gebe es zwei Gemeinschaftsküchen und zwei Gemeinschaftsbäder, einen Gemeinschaftsraum, eine Waschküche, ein Spielzimmer und ein Büro. Die Mitarbeiterinnen dort führen regelmäßig Beratungsgespräche und sie helfen den Frauen im Rahmen der psychosozialen Beratung dabei, die traumatischen Erfahrungen zu verarbeiten. Darüber hinaus entwickle man Zukunftsperspektiven mit den Frauen und helfe bei der Bewältigung des Alltags, so Rapp und Nuding. Dazu gehören administrative Aufgaben genauso wie die rechtliche Unterstützung und die Kinderbetreuung. Auch Ausflüge würden gemeinsam unternommen und Kontakte zu Kooperationspartnern hergestellt. Nach dem Auszug besteht die Möglichkeit für die ehemaligen Bewohnerinnen, Nachsorge in Anspruch zu nehmen
Seit der Eröffnung des Frauenhauses wurde 125 Frauen und 171 Kindern Schutz gewährt. 483 Anfragen für eine Aufnahme sind eingegangen. Die Zimmer sind an 331 von 365 Tagen voll belegt. Auf Frage von Stadträtin Elisabeth Gebele betonte Nuding, dass nicht alle Frauen, die angefragt und keinen Platz bekommen haben, anderweitig untergebracht werden konnten. Die Anzahl der Frauenhausplätze deutschlandweit sei zu gering. Die Verweildauer der Frauen reiche von einer Nacht bis hin zu über einem Jahr- antwortete Nuding auf Frage von Dr. Anita Zirz. Rund ein Drittel kehre zum Täter zurück.

